Audre

Audre Lorde, the wise „black lesbian feminist mother poet warrior“, yeah!

Audre Lorde

Poetry is not only dream and vision; it is the skeleton architecture of our lives. It lays the foundations for a future of change, a bridge across our fears of what has never been before

Only by learning to live in harmony with your contradictions can you keep it all afloat.


Rinnsale aus rotem Wasser

Mir stockt der Atem

Der letzte Hauch gefriert auf der schalldichten Scheibe

Aus Glas

Unserer Demarkationslinie.

Auf meiner Seite ist eine Gummizelle.

„Zu“ habe ich überall hingeschrieben, dieses wütende Wort.

Zu viel, zu wenig, zu verschieden, zu lange, zu leise, immer nur zu.

Zu sehr, das vor allem, zu sehr ich.

Du hast bestimmt jede Menge Spaß da drüben

Rede ich mir ein-sehen kann ich dich nicht -

Damit ich irgendwas tun kann –wütend sein oder traurig-

damit sich irgendwas bewegt.

Ich würde ja gehen

Aber hier sind überall Rinnsale aus rotem Wasser

Ich muss erst leer werden

Ehe ich vampiresk durch die Wand fliehen kann.

Aber wir sind auf einem guten Weg

Ich und Zu

In der Gummizelle.


Was ist wichtig?

Ein Anfang…und die Bitte um Kommentare: was ist euch wichtig?

Sagen können „Ich hab das so gewollt“

Das ist wichtig

Und sich klar machen, dass man verantwortlich ist

Für sich und für seine Taten und für die,

die man sich vertraut gemacht hat

Nicht für alle im selben Maße

Aber immer im Herzen.

Entscheiden können

Das ist wichtig

Nicht immer sofort

Aber nachhaltig

Nicht immer übermütig

Und nicht zu oft bedacht.

Sich nicht einsperren

Und nicht immer in Luftschlössern leben

Und von den anderen

Nur so viel erwarten

Wie sie geben können.

Verständnis haben

Das ist wichtig

Irgendwo zwischen „so viel man kann“

Und „so viel man möchte“

Auch und vor allem für sich.

Leben und lebenlassen

Das ist wichtig.


Fly

So lange

Nicht an dich gedacht

Dich zu lange

Nicht gesehen

Aber dich geschätzt

Mit dir Zeit verbracht,

gute

Dich einfach gemocht

Und immer an dich geglaubt,

Nie an das jetzt Geschehene.

 

Ich werde Dich vermissen.

Fly, Katze.


Raum

Ob man das Richtige tut. Frage hallt von weißen Wänden. Alles verpackt. Macht die Leere Raum für freie Gedanken. Ob alles wahr ist. Und alles echt. Natürlich nicht. Entscheidungsmanifestationen wie Denkmäler. Erinnerungsmomente auf die Netzhaut gebrannt. Leere des Raumes – Konzentration auf Körper. Der Blick in nackten Ecken verschluckt. Da ist plötzlich Zeit. Als ob Bücher, Kleider, Dinge sie sonst fressen. Da ist Bewusstsein im Moment. Da ist Lebensbruch und Wandel den man selbst erdacht, geplant hat. Der jetzt regiert. Da bin Ich. Irgendeines. Bloß wahr ob der Spiegelung nach draußen. Keine Repräsentationselemente und keine Rolle. Da ist die Gewissheit, dass unsere Spuren verblassen. Manchmal so schnell. Und dass jeder Tag uns zu jemand anderem macht. Vergänglichkeit. Bestehen des Raumes. Vergänglichkeit und Bestehen des Körpers.

Ich habe dich, Raum, nicht mit den Klängen bedacht, die dir gebührten.

Habe dir Menschen nicht zugeführt, die du verdient hattest.

Habe dich nicht als das wahrgenommen, was du mir sein konntest.

Heimat.

Die trage ich immer und immer und immer  in mir.

The body is a house of many windows: there we all sit, showing ourselves and crying on the passers-by to come and love us.  ~Robert Louis Stevenson

I took a deep breath and listened to the old bray of my heart.  I am.  I am.  I am.  ~Sylvia Plath (as much as I dislike her…)


Bloß

Da lernte ich

dich

auf eine neue Art

zu lieben

ganz ungeschmückt

und unberührt von Glanz

Ich schmückt mich zwar

doch sah dein bloßes

Ich

und führt es an der Hand

ganz fest

zu unserem

neuen Tanz.


Encounter

In everyone’s life, at some time, our inner fire goes out.

It is then burst into flame by an encounter with another human being.

We should all be thankful for those people who rekindle the inner spirit.

(Albert Schweitzer)

Es gibt zwei Möglichkeiten mit Zügen zu reisen. Entweder man erlebt die Reise bewusst, blickt aus dem Fenster, verliert sich in vorbeiziehenden Landschaften, beobachtet sich oder andere in der Spiegelung der Scheibe, sinniert über die Architektur winziger Bahnhofsgebäude und spürt ganz sachte die Bewegung unter Sitz und Füßen, oder man versinkt, im Schlaf, in Zeitungen, in Büchern, im Gesicht des Gegenübers.  Man ist dann nicht da. Nicht erreichbar, nicht lokalisierbar. Eben nicht ganz auf der Welt. Unterwegs.

Sie hatte ihre Reise angetreten ohne sich auf das Ziel zu freuen. Kannte die Strecke, jeden Unterwegsbahnhof, wusste, welche Körperhaltung sich am längsten auf den 90-Grad-Winkel-Sitzen aushalten ließ, stellte daher ihren Koffer unter den Sitz und die Füße darauf. Die Platzwahl war aufgrund der üblichen Parameter „Fenster“ und „andere Seite als beim letzten Mal“ gefallen. Die übrigen drei Sitze waren noch frei, sie hoffte, dass das so blieb, glaubte aber nicht daran.  Als sich der Zug in Bewegung setzte, blätterte sie bereits in einer eher unspannenden Zeitschrift, die sich ihr vielmehr als Werbemagazin offenbarte und nur wenige interessante Artikel enthielt. Am zweiten Halt, nur wenige Minuten nach Abfahrt, blätterte sie die erste Seite ihres neuen Buches um. Guter Stil, vielversprechend. Heute also: Versinken. Nicht da sein und Stunden später aussteigen und weitermachen. Sie entschied sich für ruhige Hintergrundmusik und verabschiedete sich mit dem zweiten Kopfhörer im Ohr gänzlich von ihrer Umgebung. Sie wusste selbst, dass das nicht zu ihr passte. Oder doch passte aber ungewohnt war. Sie war Beobachterin, jemand der sah und analysierte. Jemand der erlebte und nachdachte und dann handelte. Oder gleich handelte. Träumen war Zeitverschwendung und Lesen, wenn es nicht dem Informationsgewinn diente, eine Beschäftigung, die sie nie lange gefangen hielt. Im Moment war vieles anders. Selbsterkenntnisse, auf die sie sich sonst als Fakten verlassen konnte, wie ihr unermüdlicher Arbeitseifer, der sich vor langer Zeit mit ihrem Perfektionismus zusammengeschlossen und eine Interessensgemeinschaft gebildet hatte, verloren scheinbar ihre Gültigkeit. Sie hatte das bereits durchdacht, war zu dem Schluss gekommen, dass ihre Lebenssituation gerade vor allem von Unsicherheit geprägt war und sie sich in einer Abwarte-Phase befand (was sie an sich nicht störte, allerdings ihre Planungsfähigkeit enorm einschränkte) und dass das alles wohl irgendwie kausal zusammen hängen müsse. Sie hatte sich entschlossen dieses Abwarten einfach geschehen zu lassen, ohne sich ständig Druck zu machen. Nicht, weil sie es so wollte, sondern weil sie einsehen musste, dass Pläne schmieden im Moment einfach nicht drin war. Sie glich einem Dauerläufer, der sich das Bein gebrochen hatte und nichts anderes tun konnte, als zu warten, bis die Verletzung geheilt war. Und nichts anderes kannte, als zu rennen. Dass sie sich dabei ziemlich verloren vorkam und ihr die wohl nötige Gelassenheit überhaupt nicht inne lag (keine neue, aber eine momentan entscheidende Erkenntnis), dass sich Zweifel und Ausweichmöglichkeiten oder, besser, Fluchtpläne in ihren Gedanken manifestierten, versuchte sie vor der Welt und vor allem sich selbst geheim zu halten.  Also Lesen. Wegdriften. Ausschalten. Als ob die Psyche verstanden hatte, was zu tun war.

Als er den Zug betrat, merkte sie nicht einmal, dass dieser gehalten hatte. Erst, als er mit unsicherem Schritt einen Sitz auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges ansteuerte, bemerkte sie ihn im Augenwinkel. Er war jung und wirkte auf seltsame Weise sehr alt, das war das erste, was ihr auffiel und sie daran hinderte sich umgehend wieder dem durchaus spannenden Buch zu widmen. Er trug eine kurze Hose und ein T-Shirt, hatte mehrere Tüten in der Hand und versuchte gerade diese auf dem Sitz gegenüber abzulegen, ohne, dass eine herunter oder etwas herausfiel. Zuletzt legte er die einzelne Chipstüte, Ungarisch, auf die Tüten. Er blickte kurz zu ihr herüber, sie ertappte sich dabei, ihn zu beobachten und fixierte sofort wieder ihr Buch. Er hatte kurze, auf wenige Millimeter rasierte, schwarze Haare und sie war sich sicher, dass er nicht aus Deutschland stammte. Sein massiger, aber nicht wirklich dicker Körper, hatte zitternd auf dem Sitz Platz genommen. Irgendwas stimmte nicht mit ihm, dieses Gefühl ließ sie irritiert auf die bereits gelesene Buchseite starren. Sie konnte nicht sagen was es war, konnte aber aus diesem Grund auch nicht aufhören, ihn zu mustern. Es fiel etwas aus einer weißen Tüte, in der sie bereits mehrere gleichförmige Objekte ausgemacht hatte. Es war ein Wassereis. Braun, Cola. Mühsam beugte er sich hinunter, um es aufzuheben. Es rutschten mehrere nach und da er so abgelenkt war, konnte sie weiter zu ihm herüber starren. Er war sehr langsam und ungeschickt. Sie beschloss, sich einfach wieder auf die Geschichte zu konzentrieren und sich nicht weiter mit ihm zu befassen.

Wenige Momente später hörte sie ihn etwas sagen. Sie verstand nicht, die Umgebungsgeräusche hatte sie ja gegen Musik getauscht. Sie war sich ziemlich sicher, dass er mit sich selbst sprach, da auch er allein in seinem Sitzviereck saß und sie ja offensichtlich nicht zu Kommunikation bereit war. Schublade. Verwirrter Mensch. Vielleicht Drogen. Vielleicht Bier in der Supermarkttüte. Aber Eis? Er sagte wieder etwas. Sie blickte zu ihm herüber und ihre Blicke trafen sich. Nicht in der Mitte des Ganges, sondern direkt vor ihr. Er saß unbeholfen am Fenstersitz auf der anderen Seite des Ganges, Wassereis zu seinen Füßen, einen erwartungsvollen Blick auf dem Gesicht. Sie entfernte den rechten Kopfhörer. Er war kein Umgebungsgeräusch. Er war nicht irre.

„Entschuldigung, haben sie vielleicht eine Tüte?“ Er brauchte ungewohnt lange für diese Worte, die warm und freundlich klangen und nicht ganz akzentfrei von seinen Lippen kamen.

Sie schüttelte reflexartig den Kopf und glaubte ein Seufzen von ihm zu hören, sah aber weiter ein Lächeln. Sie lächelte auch. Blickte vor sich. Dachte nach. Zog den Koffer unter ihrem Sitz hervor, öffnete ihn. Natürlich hatte sie eine Tüte. Sie nahm ihr neustes Kleidungsstück und den Kassenzettel aus einer durchsichtigen Tüte mit Namensaufdruck des Ladens und reichte sie ihm. Sein Lächeln wurde breiter und er blickte dankbar. Während sie den Koffer wieder schloss und erneut unter dem Sitz verstaute, begann er das Wassereis umzupacken. Ganz behutsam und weiter strahlend. „Wollen Sie auch Eis?“ Es war ein ehrliches Angebot, der Versuch ‚Danke‘ zu sagen. Sie verneinte, konnte aber nicht anders, als sich über diese Geste zu freuen und selbst zu lächeln. Er verdiente das irgendwie. Wärme. Er wirkte jetzt eher wie ein Kind. Gut. Geholfen. Passt. Weiterlesen. Nicht reden. Sie wollte nicht reden. Sie wusste, dass er wollte. Nach einer Weile, sie hatten den Kopfhörer nicht wieder benutzt, weil ihr das irgendwie falsch vorgekommen wäre, sah er eine neue Chance. „Chips?“ Sie verneinte. Lächelte aber. Trank einen Schluck aus ihrer eigenen Flasche. „Cola Light?“ Er deutete auf die Supermarkttüte auf dem Sitz und machte Anstalten eine Flasche daraus hervorzuzaubern. Sie verneinte, lachend. Er hatte nun offensichtlich nichts Weiteres im Angebot und blickte aus dem Fenster neben sich. Sie widmete sich wieder dem Buch, konnte aber nicht aufhören, sich über ihn zu wundern. Sich über ihn und über diese Begegnung zu freuen. Nach einer langen Weile des Schweigens, entschied sich doch wieder für Ganzausblendung und Musik. Sie war schon auf halben Weg dieses kleine Ereignis in ihren Erinnerungen abzulegen als er offensichtlich wieder etwas sagte, das sie trotz Musik verstand. „Was studieren sie?“ Nicht reden. Sie ignorierte ihn. Sie wusste nicht genau warum, fühlte sich schlecht dabei und doch besser. Beschützt. Sie wollte nicht reden. Nicht über sich. Und sie traute sich nicht, ihn zu fragen, wer er oder was mit ihm war.

An einem Bahnhof, in einer Stadt, die sie nicht kannte, stieg er aus. Er war vor dem Halt aufgestanden, nicht viel vor dem Halt, so dass sie sich Sorgen machte, ob er es in seinem Tempo rechtzeitig schaffte alle Tüten aufzunehmen und auszusteigen. Sie beobachtete ihn besorgt, bereit aufzuspringen und die Tür aufzuhalten. Als er an ihr vorbeiging, schweigend und nicht mehr lächelnd, sagte sie, so warm es der Klang ihrer Stimme zuließ  „Tschüß.“ Er lächelte. Sie blickte seiner Spiegelung in der Scheibe hinterher. Sah die große Narbe am Hinterkopf. Verstand. Vielleicht. Und war dankbar für diese Begegnung.


Schwarz

Gedanken, in Gang gesetzt durch eine kulturwissenschaftlich-weiß-ideologische Diskussion im racial discourse. Stereotypisierung der eigenen Fehlerhaftigkeit. Ganz schwieriges Thema. Mein Geist antwortet mit primitiver Abstrahierung:

Schwarz

Dieses Gequatsche

Über die Wertung

Der Dichotomie von Schwarz und Weiß

Erklärt das einem Dunkelkind

Das seinen schwarzen Humor preist

das Lichtgestalten verlacht

und Weißes mit Handtüchern waschen muss

Ich liebe die Matschgeschöpfe

Elben sind mir zu versnobbt

Licht blendet

Erkenntnisse machen alles nur komplizierter

Wissen ist Macht

Macht ist eigentlich dunkel.

Niemand will Weißwälder Kirschtorte

Und wer weißmalt

Baut Luftschlösser.

Gutmenschentum ist das Fehlen von Persönlichkeit

Bösartigkeit immerhin ein Charakterzug.

Eulen sind beeindruckender als Tauben

Und das Schwarze Meer hat nichts Böses gemacht

Das Weiße unterdrückt immer das Schwarze

(wobei niemand weiß, was andersherum passierte)

Aber was deckt mehr?

Je dunkler die Wolke, desto eher Regen, desto mehr Leben

Je weißer ein Blatt, desto weniger gesagt.

Unreinheit heißt irgendwas erlebt haben.

Schmutz ist ein wunderschönes Wort.

Unbefleckt ist unerfahren.

Alt ist weise.

Schwarzwählen sollte die Farbe ändern.

Ich möchte mit Orks einen Baum zerhacken und mich hemmungslos betrinken. Ich möchte ungeniert über die tiefschwärzesten Witze lachen und niveaulos Chaos preisen. Ich möchte nicht Nächte zu Tagen machen sondern die Tage zu Nächten. Ich möchte keine künstliche Wärme sonder ehrliche Kälte. Die schwarzgemalten sind die besten Bilder.

Macht alles schwarz

Erklärt das alles zum schlechter konnotierten Teil des Oppositionspaares.

Call me black.

-          Lasst mir nur meine Schokolade.


Rührt euch.

Ich bin mir nicht sicher

Ob wir wirklich

Alle am Leben verzweifeln

Oder ob nicht das Leben

An uns.

Hätten wir Mut

Alle Möglichkeiten zu ergreifen

Wäre es friedlich.

Erreichten wir sorglose Zufriedenheit

Wäre ihm langweilig.

Stillstand ist der Tod

Sagt es

Und gewinnt doch immer

Weil auch Fall

Bewegung bedeutet.

—–

Rührt euch. Verdammt.


It and I

Looking at straight edges

It catches

It catches

sight of

Its  imposed nothingness

Through fences

And poses

And poses in wrenches

Whence

Humans pass by

And wave

And smile

Weavers of false truths

True you are not

And your freedom none

You man pass by

You die

You die

Having totally disregarded

-  Just watched

With superior eye –

The “it” is a being

And the “it”

Is an I.

Bonobo

Watching

(Taken at the Zoo in Frankfurt 26/02/11)


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